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Der Weg zum Kunsthotel Teufelhof

Vor Jahren begeisterten sich die Initianten des Teufelhofs Monica und Dominique Thommy-Kneschaurek während der documenta in Kassel an den Arbeiten der Hamburger Künstlerin Anna Oppermann. Ihre raumgreifenden, über Wände und Boden wuchernden Bild-, Material- und Zitatensammlungen fanden sie so faszinierend, dass sie eine Arbeit von ihr bei sich zu Hause haben wollten. Dabei stellte sich heraus, dass Anna Oppermann bis zu diesem Zeitpunkt gerade erst drei Installationen bei Privatpersonen realisieren konnte. Und dies, obwohl sie praktisch bei allen grossen Kunstmanifestationen wie den Biennalen von Paris, Venedig und Sydney sowie zweimal an der documenta vertreten war. Diese Tatsache machte dem Paar deutlich, dass hier ein Vermittlungsproblem zwischen Raumkunst und potentiellen Käufern vorhanden sein musste.

Es zeigte sich, dass, sobald eine Künstlerin oder ein Künstler die Grenzen des Bilderrahmens sprengt und raumbezogene Werke schafft, das Vorstellungsvermögen der Käufer/-innen überfordert ist. Sie können sich eine solche Installation in ihren Privaträumen nicht vorstellen. Bilder oder Plastiken kann man nach Belieben umhängen oder anderswo aufstellen. Man kann sie in Lager verstauen und wieder hervorholen. Ganz anders verhält es sich mit Environments. Diese raumfüllenden, eigentlichen Erfahrungswelten stellen ganz eigene Anforderungen. Anforderungen nicht nur an die Betrachter/-innen und an den Raum, sondern auch an den Kunstbegriff und den «Kunstwert». Und zwar «Kunstwert» im rein monetären Sinne des Wortes. Wer Kunst als Wertanlage betrachtet, wird kaum darauf versessen sein, ein Kunstwerk installieren zu lassen, das er nicht mehr entfernen und veräussern kann. Wer aber ein Kunstwerk in seiner Umgebung als persönliche Bereicherung – und diesmal im geistigen Sinne – betrachtet, wird bereit sein, einem Werk während einer Zeit im wahrsten Sinne des Wortes Lebensraum zur Verfügung zu stellen. Dies setzt aber auch voraus, dass er Kunst nicht mit Ewigkeitswerten gleichsetzt, sondern als zeitlich begrenzte, auf ihre Räumlichkeit bezogene und mit Personen verbundene Manifestation betrachtet. Wenn man also von einer solchen Aufgabenstellung der Kunst ausgeht, stellt man fest, dass für die Vermittlung von Environments die nötigen Formen fehlen.

Museen und Ausstellungen stellen immer nur Ausnahmezustände dar. Sie haben mit dem unmittelbaren Wohnraum oder besser Lebensraum des Betrachters wenig gemeinsam. Dazu kommt, dass der Besucher in herkömmlichen Ausstellungen nur zeitlich beschränkt verweilen kann und seine individuelle Auseinandersetzung durch andere Besucher permanent gestört wird. Will man also all diese negativen Aspekte ausschliessen, bleibt nur eines übrig: Man muss «Ausstellungsbedingungen» schaffen, welche die Möglichkeit bieten, ein solches Kunstwerk bewohnbar und individuell erfahrbar zu machen. Die Lösung, die der Teufelhof dafür anbietet, ist das Kunsthotel Teufelhof.