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Gedanken zu diesem und jenem - Der Teufelhof in der Zukunft. Wachstum als Weg?



Raphael Wyniger, 08. September 2012

Der Teufelhof Basel läuft: Wir haben im ersten halben Jahr alle Rekorde gebrochen und so viele Gäste bewirtet wie noch nie in der Geschichte des Hauses. Und dies trotz Krise, Euro-Tiefststand und dem Schweizer Tourismusgejammer.

Vielen Dank, liebe Gäste, dass Sie uns hier unterstützen und uns treu sind. Ich bin Ihnen unendlich dankbar dafür. Und selbstverständlich gilt mein Dank auch allen Mitarbeitenden, die jeden Tag Grossartiges leisten. Ich bin stolz auf sie.
Und doch: Einige Sorgenfalten sind auch auf meiner Stirne zu sehen. Denn: Die Welt um uns herum ist im Umbruch und wird nicht einfacher. Dazu später mehr.

Rückschau
Zunächst jedoch ein kleiner Rückblick. Vor über dreieinhalb Jahren durfte ich den Teufelhof käuflich erwerben. Wir schrieben das Jahr 2008 und die Welt war noch in Ordnung. Die Prognosen waren zwar nicht mehr so optimistisch – doch was danach kommen würde, mit dem hat wohl wirklich niemand gerechnet. Nach der Bankenkrise kam die Finanzkrise, jetzt aktuell haben wir die Währungskrise und wohl schon bald kommt die nächste Krise – wie auch immer sie heissen mag. Ich tippe auf Spar- und/ oder Immobilien-Krise. Der Teufelhof hat sie alle umschifft bis jetzt, diese Krisen. Und dafür war es nötig, dass wir gute Zahlen schreiben. Denn: Eine Krise können wir uns gar nicht leisten. Im Gegenteil!

Diese Krisen brachten auch neue Rahmenbedingungen mit sich. So explodieren die Kosten im Teufelhof jedes Jahr mehr, die Löhne sind in diesen Jahren um rund 8% gestiegen, auch das Haus kostet  – gerade eben habe ich eine Rechnung für die Kühlsysteme über CHF 20‘000 freigegeben – und auch die Warenkosten gehen hoch. Dazu kommen der starke Franken, die vielen neuen Hotels, die taumelnden und sparenden Firmen sowie die hohe Fremdfinanzierung des Teufelhofs via Banken.

Schulden
Ich habe mich damals verschuldet, um das Projekt zu starten – habe einen Versuch gewagt, etwas Einzigartiges zu bewahren: den Teufelhof. Dies aber zu Zinsen auf 2008er-Niveau. Und ich arbeite heute mit Banken, welche die Branche der Gastronomie als schwierig einstufen und nur bedingt bereit sind zu investieren. Trotz all dem: Wir sind da, stark und gefestigt in unseren Strukturen, haben all diesen Rahmenbedingungen getrotzt, sprühen vor Ideen, realisieren Projekte und denken positiv.

Zukunft
Und doch denke ich darüber nach, wie wir den Teufelhof weiter gefestigt in die Zukunft führen können. Denn die Welt, wie wir sie heute kennen, wird nicht einfacher. Im Gegenteil. Meine Prognose: Es wird noch härter.
- So wird sich der Euro weiterhin auf die Franken-Parität zu bewegen, davon bin ich überzeugt.
- Europa erholt sich noch lange nicht.
- Die Hotelkapazität hat sich in Basel verdoppelt und wird sich weiterhin erhöhen. Was zwar grundsätzlich begrüssenswert ist, jedoch enormen Druck auf alle Hotels ausüben wird. Denn: Um den Tourismus in Basel ist es nicht so gut bestellt, wie dies der Anschein machen könnte. Die durchschnittliche Auslastung der einzelnen Hotels ist gesunken, der realisierte Zimmerpreis ebenfalls. Heute haben wir in Basel zwar mehr Gäste als früher, aber auch viel mehr Hotels. Der Druck auf die einzelnen Hotels ist um ein vielfaches grösser geworden.
- Die Rahmenbedingungen bezüglich der Kostenstruktur in unserem Land sind für unsere Branche sehr nachteilig.

Ich glaube deshalb, dass es aufgrund der oben erwähnten Fakten in Zukunft immer weniger private, kleine KMU-Betriebe in unserer Branche geben wird. Der Trend geht hin zu Kettenbetrieben und Grosskonzernen wie Accor oder Restaurantketten. Aufgrund ihrer Grösse können diese mit einer ganz anderen Kostenstruktur und somit effizienter arbeiten.

Konzepte und Betriebe, wie wir sie leben, sind eigentlich in der heutigen Zeit ein Blödsinn.
Vom Inhaber geführte Betriebe, mit rund 60 Mitarbeitenden und nur 33 Hotelzimmern, wo alles noch im Haus selbst hergestellt wird (selbst das Brot), die Immobilie im Besitze des Betriebs ist, ein Gourmetlokal betreibt und erst noch Kultur fördert (mit dem Theater, mit Ausstellungen und weiteren Aktivitäten) wird von einem Teil meiner Berater als fahrlässig und alles andere als effizient beschrieben. Und doch tun wir dies. Und verteidigen dieses Konzept mit aller Kraft – trotzen der Umzingelung von Grosskonzernen und Restaurantketten, von Convenience-Kochern und Fast-Food-Buden.

Wir hören nicht auf das Umfeld und lassen uns nicht zu Einsparungen oder Entlassungen hinreissen. Nein. Wir verteidigen unser idealistisches Konzept wie damals die Gallier Asterix und Obelix ihr gallisches Dorf vor der römischen Übermacht. Leider haben wir keinen Zaubertrank, sondern können dies nur verteidigen durch den bedingungslosen Einsatz aller und einer konsequenten Gäste- und Qualitätsorientierung.
Erfolg

Und ich bin sicher: Wir werden Erfolg haben. Auch wenn wir weiter gehen müssen – uns immer wieder neu definieren müssen. Meine Strategie in diesem Zusammenhang sieht folgendermassen aus:
- Konsequente Gäste- und Qualitätsorientierung sowie bedingungsloser Einsatz von allen.
- Investition von jedem verdienten Franken in die Infrastruktur und die Konzepte.
- Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese sind unser wertvollstes Kapital.
- Investition in einen zusätzlichen Konzeptgedanken im Teufelhof, Weiterentwicklung des Hauses
- Wachstum! Wir müssen mittelfristig dringend wachsen. Dies, um effizienter die Ressourcen einsetzen zu können. Deshalb sind wir auf der Suche nach Konzept-Erweiterungen. Ideen und Impulse sind willkommen!
- Und vor allem brauchen Sie, liebe Gäste! Vielen Dank für Ihre Treue.

Fazit: Die Rahmenbedingungen sind nicht einfach, doch ich bin überzeugt, dass wir mit dem Teufelhof, auch dank den jetzigen guten Zahlen, auf gutem Weg sind. Wir lassen nicht nach und machen weiter. Wir sind bereit dazu und freuen uns, mit Ihnen, liebe Gäste, in die Zukunft zu gehen. Ceasar kann seine Truppen abziehen, den Teufelhof kriegt er nicht. Hoffentlich!
Raphael Wyniger

(dieser Text erschien in der Teufelhof Hauszeitung 2/2012. Diese können Sie auch per Post zugestellt bekommen. Senden Sie uns ein Email an info@teufelhof.notexisting@nodomain.comcom. Wir senden Sie gerne zu)