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Irgendwann am Bahnhof in Basel



Raphael Wyniger, 26. Dezember 2010


Irgendwann am Bahnhof, beim Kaffee mit Blick auf die Menschen. Aufgezeichnet und in einen Vorsatz verwandelt: 

Ist sitze am Bahnhof in Basel. Um mich herum gehen die Menschen ihren Weg, ein Zeitungsverkäufer preist sein Blatt an, die Menschen sprechen leise oder gar nicht miteinander und sehen meistens ernst aus.

Sind die wohl alle glücklich? Oder eher doch frustriert mit ihrem Leben, das mit dem morgigen Krawatten-Binden beginnt und abends im Streit mit den so genannt Liebsten endet, frage ich mich. Ich beobachte ein kleines Mädchen. So um die zwei Jahre alt muss sie sein. Ja, ist sie. Sie spielt mit ihrem Vater ein Spiel, das vor allem sie witzig findet. Das Verstecken hinter einem Stuhl, wo jeder sie sieht, sie sich selbst aber nicht und deshalb meint, man sehe sie nicht. Irgendwie rührt mich das.

Ich liebe Bahnhöfe. Sie geben mir das Gefühl der Freiheit, des Ungebundenseins, der Bewegung. Die Menschen gehen weg oder kommen an, die Zukunft trifft die Vergangenheit. Das Leben pulsiert, Schicksale treffen sich und gehen ihren Weg. Für einen kurzen Moment treffen sich zwei unterschiedliche Leben für eine kurze Sekunde, die beiden Auras nehmen sich unbewusst war und verschwinden dann für immer, treffen sich nie wieder. Ob das einen Menschen ebenfalls prägt? Dieses kurze Aufeinandertreffen, die Sekunden miteinander? Oder sind in der Konsequenz diese Aufeinandertreffen genauso bedeutungslos wie wahrgenommen, sinniere ich.

Und da ist er, mein Vorsatz 2011. Ich habe mir vorgenommen, im neuen Jahr mehr hinzuschauen. Zu beobachten. Schön, was man hier entdecken kann. Denn das Leben hat viele Facetten. Und man beschäftigt sich viel zu wenig damit. Wir sollten irgendwie und irgendwann damit beginnen. Warum nicht jetzt? Denn das Leben ist zu schön, um es einfach zu ignorieren.