de | en | fr

Der Notizblock

Tatsächlich!

Raphael Wyniger, 31. Januar 2012

Der Notizblock

iPhone, iPad, iPod, Smartphone, Computertechnologie, wohin das Auge reicht! Sogar Bücher werden heute digital gelesen. Und auch ich bin ein mehr oder weniger stolzer Besitzer mehrerer solcher Geräte.

Und nutze sie auch. Unter anderem, um Texte zu schreiben wie diesen. Oder um Musik zu hören. Oder um schnell zu Informationen zu kommen. Und doch gibt es etwas, auf was ich nicht verzichten möchte: einen Notizblock. Klein und handlich, für die Jackentasche. Meinen iBlock also. Oder so ähnlich.

Okay: Sie haben recht: Der Notizblock ist nicht unbedingt schön, und ganz sicher nicht mehr zeitgemäss.

Und doch liebe ich diese kleinen, farbigen Dinger. Und nutze sie. Täglich. Besitze dutzende, alle gefüllt mit Notizen, geschrieben mit meiner nicht immer schönen Handschrift.

Ich würde Sie nicht missen wollen. Trotz iAttack und Sprachmemos. Denn: Sie sind praktisch. So praktisch, da kann noch kommen, was will, ich glaube nicht, dass irgendein ein Genie auf dieser Welt etwas Besseres erfinden kann.

Denn: Auf welchem Computer kann ich kurz etwas schreiben und dem gegenüber aushändigen – ohne einen Drucker zu suchen? Was ist respektvoller: Dem Gesprächspartner zu zuhören und ab und zu – mit einem schönen Füller oder Kugelschreiber – mit der eigenen Handschrift eine kurze Notiz zu schreiben? – oder die Alternative davon: immer in einen Bildschirm starren und sich mit einer futuristischen Tastatur abmühen? Was kann man irgendwo liegen lassen und erhält es immer wieder zurück? Einen Notizblock oder ein iPAD?

Notizblöcke sind zudem einfach das perfekte Arbeitsinstrument. Man kann Pendenzen nach der Erledigung mit einem dicken Strich durchstreichen. Man kann auch immer wieder den Block durchsehen und findet ab und zu etwas Liegengebliebenes, das man erledigen sollte, oder ist stolz auf das bereits Erledigte. Man sieht es wirklich, und es liegt nicht in einem virtuellen Papierkorb. Sie brauchen keine Batterie, sind günstig und immer auch persönlich. Ja, sie sind persönlich! Denn handschriftlich verfasst. In der Hektik die Schrift vielleicht etwas unleserlich, beim Träumen geschwungen und bei Langweile gespickt mit Kritzeleien und Zeichnungen. Und: Sie eignen sich einfach für alles: Zum Beispiel auch, um Tagesziele aufzuschreiben und diese abzuarbeiten.

Das Fazit: Sie sind handlich und können überall mitgenommen werden. Sie brauchen keine Pflege, keine Updates oder Aufmerksamkeit. Sie sind multi-funktional und eignen sich für Notizen zur Arbeit, Gedanken zum Leben, zum Zeichnen für die Tochter oder zum Zeitvertreib an langweiligen Sitzungen.

Ich nehme sie mit zum Skifahren, zum Theaterbesuch, ins Museum, zum Abendessen, zum Frühstück, zum Fussballspiel, ja zu eigentlich allem, was ich tue. Der Notizblock: schnell gezückt und mit einer neuen Idee bestückt. Manch eine Idee in meinem Leben hat ihren Ursprung in einem kaum leserlichen Eintrag in meinem Notizblock. Irgendwann eingefallen und kurz notiert. Später wieder gefunden und weiterverfolgt. So wie die Idee zu diesem Text.

Und somit inspirierend und irgendwie auch romantisch, ja sogar poetisch. So Hemmingway-mässig halt – es muss nicht immer ein Moleskin-Kalender sein.
Auch Bila taugt. Schliesslich ist es aber beim Notizblock, und eigentlich auch beim iPad, halt auch so wie bei uns Menschen: Nur der Inhalt zählt. Nicht die Verkleidung. Und diesen Inhalt schreiben wir ja glücklicherweise immer noch selbst. Ich vorzugsweise noch von Hand. Und ich glaube fest: Nur dank dem Notizblock finde ich diesen Inhalt auch immer wieder. Irgendwann, ohne blinkenden Reminder. Ich hoffe, das bleibt auch zukünftig so.