de | en | fr

Wenn sogar ich mehr Eingriffe fordere: Stoppt diesen Raucherwahnsinn!



Raphael Wyniger, 13. Januar 2011


Seit knapp einem Jahr ist es nun gültig, das Nichtrauchergesetz in unserem Kanton. Zeit, oder gar höchste Zeit, dass auch ich mir in diesem Zusammenhang Gedanken mache. Klar habe ich dies bereits getan, auch aus Angst vor weniger Umsätzen und Gästeeinbussen. Und: Sie sind eingetroffen, die fehlenden Umsätze. Gerade im Gourmetrestaurant Bel Etage verkaufe ich deutlich weniger Spirituosen ( – 50%) und Zigarren ( – 100%). Ob ich dabei mehr Gäste habe, die nun aufgrund des Rauchverbots in mein Lokal kommen, wie dies die missionarisch predigende Lungenliga behauptet, wage ich zu bezweifeln. Denn: Wer das Bel Etage kennt, weiss, dass es räumlich so konzipiert ist, dass die Räume unabhängig voneinander getrennt werden können und dass der Nichtraucher den Raucher nicht bemerken oder besser „riechen“ muss und kann – und natürlich auch umgekehrt. Also keine Mehrumsätze, sondern Verluste. Die wehtun, aber akzeptiert werden können. Es ärgert mich schon kaum mehr. Einzig das Missionarische in der Diskussion des Nichtraucherschutzes, das ärgert mich. Doch dies ist ein anderes Thema. Und ich will ja nicht behaupten, ich sei grundsätzlich gegen den Nichtraucherschutz. Nein, ich kann ihm, neben dem erwähnten, auch positive Seiten abgewinnen. Ehrlich!

Was mich aber zunehmend ärgert, ist die lasche Handhabung des vom Stimmbürger be-schlossenen Gesetzes, nach welchem in Gastrobetrieben nicht mehr geraucht werden darf. Eigentlich einfach und klar, finde ich. Doch hier in Basel gibt es einen Verein, die Vereinigung «Fumoir», welche es Restaurantbetrieben erlaubt, sich durch einen Beitritt in diesen Verein als Raucherrestaurant zu deklarieren. Die Bedingung: Dass es nur Mitgliedern des besagten Vereins Zutritt gewährt. Diese müssen sich dann mit einem Mitgliederausweis ausweisen.

Soweit so gut, doch dieses Konstrukt wird weder sinnvoll umgesetzt, noch ausreichend kontrolliert, ja es ist eine eigentliche Farce. So bin auch ich Mitglied dieses Vereins, habe meinen Beitrag im letzten Jahr bezahlt. Doch eigentlich brauche ich ihn gar nicht, diesen Ausweis, denn er wird nur in den seltensten Fällen verlangt. Eine Farce also, ein Konstrukt also, das dazu dient, das beschlossene Gesetz zu umgehen. Und das Traurige daran: Es gelingt auch noch.

Sie fragen sich jetzt vielleicht, ja und? Haben wir dich nicht auch schon oft in solchen «Fumoir»-Lokalen gesehen? Und ich muss zugeben: Doch! Warum? So ganz nach Obama: because i can..: Aber trotzdem ärgert es mich, denn ich habe auch noch eine andere Perspektive.

Denn es werden wieder einmal diejenigen Unternehmen bestraft, welche sich an die Gesetze halten und dafür Umsatzeinbussen in Kauf nehmen. Und das kann ja wohl nicht sein. Ich fordere gleiche Spiesse für alle! Also überall rauchen oder nirgends. Und nirgends heisst in keinem Verein, Lokal, Cliquenkeller oder was es sonst noch für Lokale gibt. Und darum, meine lieben Gesetzeshüter, kreiert und fordert! Unser Recht sagt doch eigentlich: gleiches Recht für alle. Ich als Baizer bin ihnen dankbar, wenn sie sich endlich entscheiden wollen, ob geraucht werden darf oder nicht.

Und sonst? Nun: Ich sperre einen Teil des Restaurants ab, gründe eine GmbH, vermiete diesen Teil als Inhaber des Teufelhofs an die neue GmbH, trete mit dieser dem Verein „Fumoir“ bei und habe so ein neues „Raucherabteil“. Ob mich der Gesetzgeber dann loben würde? Oder gar belohnen für meine Schlaumeierei? Ich bin mir ziemlich sicher, das wäre so. Anders kann ich mir die lasche Umsetzung nicht erklären.