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Was «Mann und Frau» in zweieinhalb Stunden so machen können

Tatsächlich!

Raphael Wyniger, 26. Mai 2011


In zweieinhalb Stunden rennen Menschen einen Marathon, fliegt man nach Ägypten, fährt man im Zug nach Mailand, dauert ein Fussballspiel inklusive Verlängerung und Penaltyschiessen, kann man das Mafia-Epos «Der Pate» anschauen, fährt man von Basel nach Zürich und zurück, inklusive einem kurzen Lunch, ist der Sonnensuchende von Basel im Tessin, kann man von Basel mit dem Trämli nach Flüh fahren, dort gemütlich etwas trinken und wieder zurückfahren, kann man geschätzte zweihundert E-Mails beantworten, den Monat März in der Buchhaltung buchen, mit dem Zug von Paris nach London fahren, in Zermatt von der Talstation zum Kleinen Matterhorn hochfahren – mit den Ski wieder herunterfahren – und das gleiche wiederholen, die Haare färben, schneiden, Dauerwellen machen, föhnen und frisieren lassen, den Oberarm tätowieren, mit dem Auto nach Luzern fahren – über die Kappelerbrücke gehen und wieder zurückfahren, sieben Gänge im Bel Etage essen, das Gedicht „Die Lorelei“ von Heinrich Heine auswendig lernen und auf einem öffentlichen Platz fünfzig Mal wiedergeben, die Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi schauen, eine Runde Golf spielen, nach einer Meisterfeier schlafen und fit wieder zur Arbeit gehen, tausend Weingläser polieren etc.!

Was man ausserdem noch tun kann, haben zwei Institutionen diese Woche bewiesen. Diese führten eine Generalversammlung in zweieinhalb Stunden durch.

EINE Generalversammlung, in zweieinhalb Stunden!

So geschehen diese Woche in Basel. Nicht nur einmal bei Basel Tourismus, sondern tatsächlich sogar zweimal: auch beim Basler Hotelierverein. Und besonders tragisch: ähnliche Inhalte, schön dargestellt und erzählt, und noch schlimmer – bereits schon mehrfach gehört!

Schade für die Zeit. Schade für die eigentlich gute Arbeit der beiden Institutionen! Denn bei mir entsteht, wenn jemand viel redet - zu viel redet, sogleich der Eindruck, dass irgend etwas nicht stimmt oder von irgend etwas abgelenkt werden muss.

Und somit mein Tipp für die nächste(n) Generalversammlung(en): Kurz und prägnant, denn weniger ist mehr! Und glaubwürdiger, und spannender, und motivierender für alle - denn denkt daran:

Mann und Frau können und wollen vielleicht in zweieinhalb Stunden auch etwas anderes machen.