de | en | fr

Eine andere Art ART-Basel-Rückblick – aus meiner Sicht



Raphael Wyniger, 21. Juni 2010

Trotz des schlechten Wetters: Die Art Basel war für den Teufelhof und somit auch für mich ein voller Erfolg. Gut gefüllte Restaurants, gut gebuchtes Hotel – schön, dass es diese Messe gibt. Ich muss festhalten: Die Bedeutung der Art Basel und auch der Basel World ist für unseren Betrieb essentiell. Schaue ich mir die Zahlen an, stelle ich fest, dass ohne diese beiden Messen der Teufelhof Basel als Gesamtkonzept nicht existieren würde. Warum? Ganz einfach: Er liesse sich nicht finanzieren. Und deshalb gilt für mich: Ein riesiges Dankeschön an die Organisatoren. Ich als Unternehmer schätze eure Leistung ungemein. Dank initiativen Menschen wie sie können 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Basel einer sicheren und sinnvollen Tätigkeit nachgehen.

Ob das anderen auch bewusst ist? Dass diese beiden Messen Leistungen finanzieren, die dann das ganze Jahr auch den Baslerinnen und Baslern zur Verfügung stehen? Ich denke nach und da fällt mir folgendes ein:

Vielleicht haben Sie auch schon wichtigen Besuch zu Hause erwartet. Beispielsweise den neuen Chef. Und sicherlich haben Sie sich gut vorbereitet, die Wohnung geputzt, alles schön hergerichtet und gut präsentiert. Ich bin überzeugt: Was sie sicher nicht getan haben, ist, am Tag vorher den Elektriker bestellen mit der Bitte, eine Baustelle im Wohnzimmer zu eröffnen. Sie haben sicher nicht die schönsten Bilder mit Tüchern verhängt, die Sicht auf den Garten mit Abfall verstellt – nur aus Bequemlichkeit und weil am nächsten Tag Müllabfuhr ist. Sie würden dies nie tun, da sind wir uns sicher einig.

Nicht so aber verhält sich die Stadt Basel. Sie hat hohen Besuch – die Gäste der Art Basel – und was tut sie? Sie reist 4% der Stadtfläche auf und macht hässliche Baustellen. Unsere Stadt sieht ja aus, es ist zum Weinen. Während der Art wird die Tramstation Bankverein geschlossen (was für ein Timing!), das Münster und der Münsterplatz sehen aus wie ein Kriegsschauplatz, das Rathaus ist wegen der Gerüste kaum zu sehen, die Zufahrtsstrecken sind Baustellen – es ist unglaublich. Und der IWB fällt nichts Besseres ein, als meine Hotelvorfahrt während zweier Tage zu blockieren – mit dem hässlichsten Fahrzeug, das ich je gesehen habe.

Ich frage mich also: Sind wir Basler schlechte Gastgeber? Fehlt es uns an Fingerspitzengefühl? Ist es nicht jedes Jahr wieder dieselbe Diskussion? Lernen unsere Verantwortlichen denn gar nichts? Nun, ich kenne ja die Verantwortlichen und ich will ihnen nichts unterstellen, eigentlich mag ich sie ja. Und so suche ich weiter nach einem Grund, dieses unsensible, ja teilweise gar dumme Vorgehen irgendwie zu rechtfertigen.

Und plötzlich dämmert es mir, was das Ziel ist: ES IST KUNST! Und ich bin offenbar ein Kunstbanause, dass ich dies nicht erkannt habe. Es ist Teil des Kulturkonzeptes unserer Stadt. Baustellen als Akzente in einem schönen Gesamtkunstwerk Stadt!

Das ist nicht nur gut, das ist brillant! Ich entschuldige und schäme mich, dies nicht erkannt zu haben. Nun sieht die Welt wieder besser aus. Ich bin sogar dankbar, solch verantwortungsvolle Stadtväter zu haben, die zur Kunstmesse Art in der ganzen Stadt kulturelle Akzente setzen.

Raphael Wyniger