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Das Theater im Teufelhof: Vergangenheit und Zukunft



Die Vergangenheit

Dominique Thommy erzählt über seine Programmgestaltung in den letzten Jahren, seine Bühnenlieblinge und über das grosse Privileg, in seinem Theater Freundschaften pflegen zu dürfen.

Aline: Dominique, dies ist ja deine letzte Theatersaison im Teufelhof. Wie ist dein Gefühl?
Dominique: Ein zwiespältiges. Wenn man wirklich jede Handlung zum letzten Mal macht, bedeutet dies jeweils ein kleiner Abschied. Jedes laufende Gastspiel ist ein kleiner Schritt in Richtung Ende dieser bereits 37 Jahre dauernden Theatergeschichte. Aber es bietet natürlich auch die Möglichkeit, einen Neuanfang zu wagen. Jeder Abschied öffnet ja auch Türen für Neues.
A: Worauf blickst du zurück?
D: Auf eine ganz spannende Zeit mit Begegnungen, Anregungen, Kontakten zu Personen, die Dinge sagen, die auch ich wichtig finde. Dies ist ja das eigentliche Ziel eines Theaterleiters, dass er einen „Verstärker“ sucht, für das, was er selber richtig und wichtig findet. Da gab es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Menschen, die genau in meinem Geist dachten. Das Programm im Theater im Teufelhof war ja während der Zeit, in der es Fredy Heller geleitet hat, wie auch in meiner Zeit sehr von kabarettistischen, literarischen und politischen Inhalten geprägt.
A: Wie hast du dein Programm jeweils zusammengestellt?
D: Das Prinzip war, dass ich mir alles vorher angeschaut habe. Wenn inhaltlich etwas gesagt wurde, das mir nicht passte, oder wenn es mich formal nicht überzeugte, habe ich es nicht in den Spielplan aufgenommen. Auf der anderen Seite gab es eine grosse Anzahl Künstlerinnen und Künstler, die immer wieder kamen. Dabei konnte es geschehen, dass ein Programm einmal schwächer ausfiel als das vorangegangene und ich präsentierte es trotzdem. Damit konnte ich „meinen“ Künstlerinnen und Künstlern die Treue halten und sie auch in schwierigen Phasen unterstützen.
A: Konntest du demnach aus dieser Situation heraus auch Freundschaften schliessen?
D: Ja, klar. Es ist ja auch eine aussergewöhnliche Situation, welche die Auftretenden bei uns erleben. Es ist sehr selten, dass der Theaterleiter jede Vorstellung betreut und so alle Hochs und Tiefs miterlebt. Deshalb kamen wohl auch der eine oder die andere immer wieder gerne zu uns zurück.
A: Welches sind denn deine „Lieblings-Künstler“? Sind es die, die in dieser Saison auftreten?
D: Ich habe wirklich versucht, in dieser Spielzeit möglichst viele meiner Lieblinge unterzubringen. Aber wenn ich alle zeigen wollte, müsste ich noch mindestens vier Jahre weitermachen! Mein Programm bestand ja auch immer aus einer Mischung von neuen Leuten, die ich toll fand, und der Pflege bestandener Stammgäste. Und mit der Zeit gibt es eben mehr Freundschaften als zur Verfügung stehende Termine.

A: Wenn du zurückblickst, was wird dir immer in Erinnerung bleiben?
D: Es ist die Vielzahl an Begegnungen. Dabei wäre es ungerecht, jemanden besonders herauszuheben. Aber an was ich mich immer gerne erinnern werde, ist die Beobachtung jener Künstlerinnen und Künstler, die bei uns bescheiden anfingen und dann Erfolge in grossen Häusern feiern konnten. Zu wissen, dass man bei dieser Entwicklung der Gärtner gewesen ist, der das Frühbeet zur Verfügung gestellt hat, das ist im Rückblick sehr befriedigend.
A: Gibt es auch etwas, das du bereust?
D: Nein, das gibt es nicht. Vielleicht einzig, dass der Erfolg in Bezug auf die Anzahl Besucherinnen und Besucher stets begrenzt geblieben ist. Aber wenn man ein so spezielles Programm macht, dann weiss man, dass man automatisch ein weniger grosses Publikum erreicht.
A: Und was hast du jetzt vor? Was sind deine Pläne, deine Träume?
D: Das bleibt für den Moment noch unter dem Deckel. Darüber möchte ich noch nicht zu detailliert sprechen. Aber ich hoffe, wieder selber bühnenmässig aktiv zu werden. Doch für den Moment ist es vorerst einmal an der Zeit, das Theater im Teufelhof in jüngere Hände zu geben. Dabei bin ich überzeugt, in Katharina Martens und Roland Suter die idealen Nachfolger gefunden zu haben.
A: Dann bedanke ich mich für deine Zeit und den Einblick in deine Theaterwelt.



Die Zukunft
Katharina Martens und Roland Suter werden zur neuen Saison das Theater übernehmen. Im Gespräch geben die beiden einen detaillierten Einblick in die geplanten Veränderungen im Theater und verraten den einen oder anderen Schwerpunkt im Programm.

Aline: Wie seid ihr überhaupt dazu gekommen, das Theater im Teufelhof zu übernehmen?
Roland: Das ist eine längere Geschichte. Vor 25 Jahren, als ich anfing Kabarett zu machen, hat mich Fredy Heller „entdeckt“ und mir ermöglicht, auf der Teufelhofbühne zu spielen. Von diesem Moment an war der Teufelhof für mich quasi das „Heimstadion“. Fortan erarbeitete ich die neuen Programme jeweils im Teufelhof und durfte dort auch die Uraufführung abhalten. Über die Jahre hinweg hat sich zu Fredy eine tiefe Freundschaft entwickelt. Ich habe seine Arbeit als Theaterleiter verfolgt und viele der auftretenden Künstler kennen- und schätzen gelernt. Die Bindung zum Teufelhof, und damit natürlich auch zu Monica und Dominique Thommy, wurde immer intensiver. Und als Dominique eines Tages auf mich zukam und mich fragte, ob ich seine Nachfolge übernehmen wolle, musste ich nicht lange überlegen. Der einzige Knackpunkt war, dass ich diese Tätigkeit nicht alleine durchführen wollte. Die Suche nach einer Co-Leitung gestaltete sich aber einfach. Das Langzeitprojekt „Kinder kriegen, grossziehen und in ein eigenständiges Leben entlassen“, hatten meine Frau Katharina und ich erfolgreich bestanden, so dass es auf der Hand lag, gemeinsam eine neue Herausforderung zu suchen, anstatt zuhause zusammen vor dem Fernseher zu versauern.
A: Und du, Katharina, hast du gleich „ja“ zum Projekt gesagt, als Roland nach Hause kam und berichtet hat?
Katharina: Ich musste nicht lange darüber nachdenken. Ich finde es spannend und toll, ein gemeinsames Projekt zu haben. Ich bin mir auch sicher, dass wir uns gut ergänzen werden; und zudem ist die Arbeit im Theater ein guter Ausgleich zu meinem Beruf. Roland und ich haben beide, unabhängig voneinander, noch andere Projekte laufen, aber den Teufelhof leiten wir gemeinsam.
Aline: Habt ihr euch nicht zu viel aufgebürdet? Oder anders gesagt, was wird auf der Strecke bleiben?
R: Selbstverständlich müssen einige Dinge zurückstehen. Aber im Moment ist da nur die Euphorie und das „Verliebt sein“, da denkt man nicht an Terminkollisionen oder Doppelbelastung.

A: Wann ist eigentlich euer offizieller Anfangstermin?
Roland: Offiziell beginnt unsere Arbeit im September mit dem Saisonbeginn 2012/13, aber inoffiziell sind wir bereits eingestiegen. Wir haben uns im Vorfeld Gedanken über Veränderungen der Infrastruktur gemacht, da wir der Meinung sind, dass das Theater nach 20 Jahren etwas Staub angesetzt hat und eine punktuelle Auffrischung nötig ist. Gleichzeitig haben wir uns auch an die Programmgestaltung gewagt. Für uns ist es ganz wichtig, dass wir die Tradition dieses Kleintheaters mit humorvollen, feinen und speziellen Produktionen jenseits des Mainstream und der Blödelkultur weiterführen möchten.
K: Wir sind in der komfortablen Lage, sagen zu können, dass die inhaltliche Planung für die kommende Saison bereits abgeschlossen ist.
A: Könnt ihr bereits etwas preisgeben?
R: Wir können verraten, dass wir Künstler engagiert haben, die bereits auf der Bühne im Teufelhof standen, wie Bea von Malchus, Michel Gammenthaler, Michael Quast, Esther Hasler oder Charlotte Heinimann. Daneben treten aber auch Künstlerinnen und Künstler auf, die noch nie oder vor langer Zeit in Basel zu sehen waren; zum Beispiel Philipp Galizia, Thomas C. Breuer, Philipp Mosetter oder Heinrich Pachl. Und, in Klammer, weil ich nicht lauthals über meine künstlerischen Arbeiten sprechen will: „touche ma bouche“ wird zum Saisonauftakt spielen und „schön&gut“, wo ich die Regie mache, wird ihr neues Programm im Teufelhof uraufführen.
K: Was wir neu einführen möchten, ist das so genannte „Schaufenster“. Wir werden in unregelmässigen Abständen, jeweils am Montag, einem arrivierten Künstler, der etwas Spezielles ausprobieren möchte, Künstlerinnen und Künstlern aus der Region oder Newcomern die Gelegenheit bieten, ihr Programm bei uns zu zeigen.
R: Neu wird auch sein, dass bei uns ein Künstler lediglich eine Woche, ein anderer aber zwei oder drei Wochen auftreten kann.
K: Und wir erhoffen uns natürlich auch, dass uns das Stammpublikum weiterhin erhalten bleibt, gleichzeitig aber auch neue und vielleicht auch jüngere Menschen den Weg ins Theater finden. Aber es ist uns bewusst, dass dies eine sehr grosse Herausforderung ist.

A: Wo sieht ihr euch und das Theater im Teufelhof in zehn Jahren?
R: Wir sind beide keine Träumer, sondern ziemlich realistisch. Wir wären glücklich, wenn es den Teufelhof in zehn Jahren noch gibt – und zwar als Ganzes. Wir verstehen uns als Teil des gesamten Gast- und Kulturhauses und möchten den Austausch und die Zusammenarbeit mit allen guten Teufelhof-Geistern weiterhin pflegen.
K: Wir sind jedenfalls gespannt auf das, was auf uns zukommt, und wir freuen uns sehr darauf.
A: Und wir freuen uns auch. Dann danke ich euch beiden für die Zeit und die Offenheit –und bis bald!

Die beiden Gespräche führte Aline Stölzer.